In der Naturheilkunde hat das Fasten als Heilmethode eine sehr lange Tradition. Rituelles Fasten findet sich bereits vor Jahrtausenden in der menschlichen Geschichte. Bereits der erste „echte“ Naturheilkundler, Hippokrates, betont die Wichtigkeit des Fastens. Fasten finden wir in nahezu allen religiösen Traditionen. Fasten steht für Entschlackung und innere Reinigung… Begriffe, mit denen die „wissenschaftliche“ Medizin und Ernährungslehre nicht viel anfangen kann.

Nahezu saisonal und besonders zur christlichen Fastenzeit wiederholt sich in unseren Medien immer wieder ein bestimmtes Thema: „Fasten ist wissenschaftlich gesehen Unsinn, es existieren keine Schlacken, es existieren keine Gifte, Entschlackung ist sinnlos, Fasten ist sinnlos!“

Was soll ich dazu sagen? Das ist vollkommen richtig, wenn… … Du Dich vollkommen natürlich ernährst, viel Rohkost, Kräuter, Gemüse und Obst verzehrst, wenn Fleisch, dann aus bester, biologischer und artgerechter Haltung, Dein Idealgewicht hast, täglich mindestens 8-12 km läufst,, keinerlei technischer Strahlung und keinen Umweltgiften ausgesetzt bist, höchstens 1 Stunde am Tag sitzt, keinerlei Medikamente einnimmst und keine wie auch immer gearteten Beschwerden hast – dann sind Fasten, Entgiftung und Entschlackung in der Tat sinnlos.

Sollte dies allerdings nicht der Fall sein, bist Du gut beraten, Dich mit diesen Themen zumindest auseinander zusetzen. Längere Fastenintervalle sind nicht für jeden gut. Allerdings: es ist weder für jeden angenehm noch sinnvoll, über mehrere Tage bzw. Wochen hinweg zu Fasten. Das hat einen Grund, der im autonomen Nervensystem und im Zellstoffwechsel liegt. So stehen manche Menschen unter Stress und können aufgrund dieser Konstellation vom autonomen Nervensystem her nicht so gut verdauen. Ihr Enzymsystem ist schwach. Deswegen sind sie von der Verdauung her meist belastet.

Für solche Menschen macht Fasten auch über einen längeren Zeitraum durchaus Sinn – zumindest wenn Klugheit und Methode dahinter stehen. Eine Beratung bzw. Begleitung durch einen erfahrenen Therapeuten ist in jedem Fall anzuraten, zumindest beim ersten Mal. Dann gibt es allerdings auch noch andere Typen. Diese Typen reagieren sehr stark über den Zellstoffwechsel und bauen mit hoher Geschwindigkeit Eiweiß ab, sobald sie länger als 24 bis 36 Stunden fasten. Dieser Eiweißabbau ist nicht gut für den Stoffwechsel. Daher sollten solche Personen nicht lange fasten. Sie merken auch sehr schnell, dass mit ihnen etwas nicht stimmt.

Während für den ersten besprochenen Typus sich das Fasten auch über einen längeren Zeitraum entspannend und erholsam anfühlt, ist es für den zweiten Typus extrem unangenehm, macht flau, führt zu Unterzuckerung, Kreislaufsymptomen und fühlt sich insgesamt nicht gut an. Dies kann natürlich auch darauf zurückzuführen sein, dass jemand sehr stark mit Umweltgiften belastet ist und diese während des Fastens nun freigesetzt werden. Auch in diesem Falle ist das Thema Fasten sehr vorsichtig anzugehen, genauso wie bei Untergewicht.

Anders sieht es mit dem Teilfasten aus. Während Fasten über einen längeren Zeitraum nur für knapp die Hälfte aller Menschen insgesamt positive Effekte entfalten kann, können 80-90% aller Menschen vom Teilfasten (oder Kurzfasten) profitieren. Teilfasten bedeutet: mindestens 14-16 Stunden wird auf feste Nahrung verzichtet. Das könnte beispielsweise so aussehen, dass Du entweder auf das Frühstück oder auf das Abendessen verzichtest. Solltest Du darüber hinaus auch noch sportlich ambitioniert sein, kannst Du diese Art des Fastens entweder mit Intervalltraining oder mit sehr langsamem Gewichttraining kombinieren.

Zur Erinnerung: Intervalltraining ist eine Art des Trainings, bei der Du in bestimmten Zeitabständen für etwa 20-30 Sekunden Deinen Körper hoch intensiv belastest. Dazwischen liegen immer 90 Sekunden bis 2 Minuten Pause. Wiederhole diese hohe Belastung je nach Trainingszustand 4-8 Mal. Geeignet sind zum Beispiel ein Ergometer oder das Springseil. Die Kombination von Teilfasten mit dieser Art von Training hat folgende Vorteile: Der Blutzuckerspiegel wird reguliert. Eine bestehende Insulinresistenz kann verringert werden. Bereits mit 2-3 Teilfastentagen pro Woche kannst Du Dein Gewicht halten. Es wird die Ausschüttung von Wachstumshormon, Leptin, Adiponektin und – bei Männern – Testosteron stimuliert. Hartnäckiges Bauchfett wird abgebaut. Der Blutdruck kann insgesamt niedrig gehalten werden. Das Risiko für Entzündungen und Herz-, Kreislauf Erkrankungen verringert sich.

Du kannst Dein Fitnesstraining effizienter gestalten: Statt stundenlangem Training benötigst Du nur zwei- bis maximal dreimal die Woche ein kurzes, maximal 20 Minuten bis eine halbe Stunde dauerndes Training. Den Rest Deiner freien Zeit kannst Du spazieren gehen, Fahrrad fahren… Vor allen Dingen musst Du nicht immer sklavisch und akribisch auf Deine Ernährung achten. Mit diesem Programm darfst Du auch einmal „sündigen“, wenn dies nicht zur Regel wird. Allerdings hat auch das Teilfasten Grenzen und kann problematisch werden.

Bei den folgenden Problemen sollte man entweder auf Teilfasten verzichten oder zumindest damit vorsichtig sein: Bei Epilepsie und Migräne, bestehendem Diabetes Typ 2, wenn stärkere Blutzuckerschwankungen vorliegen und eventuell Hypoglykämie (ein erniedrigter Blutzuckerspiegel), bestehendem Diabetes Typ 1, Gallenwegserkrankungen sowie entfernter Gallenblase, akuten Entzündungen im Körper, Fieber, umweltmedizinischen Belastungen, zum Beispiel mit Quecksilber, chronischem Erschöpfungssyndrom und Depression, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Durchblutungsstörungen.

Generell gilt: werden bereits Medikamente eingenommen, sollte man Rücksprache mit dem Therapeuten halten, der diese Medikamente verordnet hat. An das Thema Intervalltraining sollte man sich dann besonders vorsichtig herantasten, insbesondere bei Bluthochdruck, deutlichem Übergewicht, bestehenden HerzKreislauf-Erkrankungen.