Der Rücken leidet für die Seele – Multimodale Schmerztherapien kann helfen

Wenn körperlichen Schäden als Ursache für Rückenschmerzen ausgeschlossen werden können, ist Medizinern klar, dass die Auslöser tiefere Gründe haben. Bei der Behandlung von chronischen Schmerzen nutzen die Mediziner das Wissen über die Zusammenhänge von Rückenschmerzen und der geistigen Verfassung ihrer Patienten aus. Als Team versuchen Therapeuten verschiedener Medizinrichtungen dem Patienten durch eine multimodale Schmerztherapie zu helfen. Dabei versuchen sie sowohl auf dessen Körper und dessen Geist in einer Weise einzuwirken, das die Rückenschmerzen abklingen oder sich ganz auflösen. Sobald die Schmerzen dann unter Kontrolle sind, können die Patienten langsam wieder ein normales, aktives Leben führen.

Die multimodale Schmerztherapie und ihre Bausteine

Schmerztherapie beginnt im Kopf und in der Seele und geht zur Wurzeln der körperlichen Beschwerden. Die psychologische Betreuung kann in individuellen oder Gruppen-Gesprächen stattfinden. Es dient zunächst als reine Informationsquelle für die Betroffenen. Krankheitsbilder werden erklärt und dem Patienten wird bewusst gemacht, dass es neben körperlichen Schmerzen auch viele andere Gründe für ihre Schmerzen gibt. Niemand kennt seine Situation besser, als der Patient selbst. Er ist mit vollem Recht Experte seines eigenen Leidens. Was ihm fehlt, sind helfende Hände um zu lernen, seine schmerzfördernden bzw. schmerzerhaltenden Faktoren zu erkennen und sie anzugehen. Die ersten Schritte der multimodalen Schmerztherapie setzen daher in der Analyse und der anschließenden Aufarbeitung psychologischer Probleme an.

Parallel dazu spielt die Physiotherapie eine genauso wichtige Rolle in der multimodalen Schmerztherapie. Sie setzt sich mit strukturellen körperlichen Schmerzen auseinander und, baut dabei Schmerzauslöser wie falsche Bewegungsabläufe oder Körperhaltungen ab. Einschränkung von Aktivität und Beweglichkeit durch längere Fehlbelastungen werden in einer guten physiologischen Betreuung erkannt und beseitigt. Die Betroffenen lernen den Schmerzkreislauf selbst zu durchbrechen und auch, wie sie sich eine schmerzfreie Bewegung aneignen können. In der multimodalen Schmerztherapie ist die individuelle Physiotherapie daher ein wichtiger Faktor auf dem Weg zur Genesung des Patienten.

Die ergotherapeutischen Ansätze als weiterer Baustein der Schmerztherapie beleuchten weitere Faktoren, die Ursache von chronischen Schmerzen sein können. Ob unergonomische Arbeitsplätze, Fehlhaltungen und automatisierte, ungesunde Bewegungsabläufe in Beruf und Alltag – alles wird unter die Lupe genommen und gegebenenfalls müssen sie beseitigt oder sogar neu erlernt werden. Alles mit einem Ziel vor Augen – endlich wieder schmerzfrei und aktiv sein zu können.

Medizinisches Training ist ein weiter Baustein in der multimodalen Therapie. Es liegt auf der Hand, dass jahrlange, chronische Schmerzen zu einem Abbau des individuellen Fitnesslevels geführt haben. Hauptmuskeln sind mangels Kräftigung nicht mehr einsatzbereit und Hilfsmuskeln völlig überlastet. Schon die geringsten Versuche, sich fit zu halten führen zu Überlastungsschmerzen. Gezieltes körperliches Training wird daher eingesetzt, um Rücken- und Rumpfmuskulatur sowie alle Hauptmuskeln wieder zu kräftigen. Erstaunlich ist, dass es mit zunehmender körperlicher Fitness möglich ist, seinen Schmerz in den Griff zu kriegen und auch die Empfindung von Schmerzschwellen durch Ausdauertraining zu beeinflussen.

Die multimodale Schmerztherapie – eine Therapieform mit langen Nachwirkungen

Haben die verschiedenen Bausteine der multimodalen Schmerztherapie zu einem Abklingen der Schmerzzustände geführt, ist der Patient in der Lage ein normales, aktives Lebens zu führen. Die Erkenntnisse aus der erfolgreichen Schmerztherapie begleiten ihn danach ein Leben lang. Eingefahrene alltägliche Gewohnheiten, schlechte Lebensweisen etc. können fortan leichter erkannt und gebannt werden. Mal einen wirklichen erholsamen Urlaub zu unternehmen, neue Horizonte zu entdecken, ein neues Hobby anzufangen, eine spezielle Reha zu beantragen oder einfach sein Leben aufzuarbeiten, sind langfristige und positive Nachwirkungen dieser Therapie.

Das Ergebnis auf lange Sicht ist die Wiederherstellung des körperlich-seelischen Gleichgewichts und ein Leben ohne Schmerzen.